Kyon auf dem Weg zur Pflegestelle

Es ist Freitagabend, 20.11.2020 17 Uhr. Unser kleiner Schützling Kyon sitzt bereits seit den frühen Morgenstunden im Transporter und ist unterwegs nach Deutschland. Wir sind seine Pflegestelle. Ich bin seit rund 10 Jahren Hundetrainerin und habe selbst zwei Rumäninnen in meinem Rudel. Sie waren damals aber schon in Deutschland, als ich sie kennenlernte. Kyon ist nun unser erster "frisch Ausgewanderte" Schützling.
Fast täglich habe ich diese Hunde im Training. Die Hunde, die so oft missverstanden werden. Die oft ganz gebückt vor lauter Erwartungsdruck gehen. Die Hunde, die für vieles erstmal mehr Zeit brauchen. Die Schreckliches erlebt haben und trotzdem so freundlich sind. Ja, einigen platzte auch schon die Zündschnur und sie verhielten sich nicht "ordnungsgemäß"... aber Moment... welche Ordnung? Aus meinen Augen, handeln sie immer angemessen. Angemessen an ihre Geschichte und ihren Erfahrungen.


Oft habe ich Menschen auf dem Platz, die sich über ihren Hund beschweren. "Der kapiert dies nicht, der kapiert das nicht und DAS, das geht gar nicht". 

Nun, ich bin Dienstleister... und ich will vorallem dem Hund helfen. Ihm helfen verstanden zu werden. Manchmal bedeutet das für mich: Schlucke runter, was du gerade sagen willst Yvonne. Oft beiße ich vor Wut die Zähne zusammen und schaue in diese verzweifelten Augen der Hunde. Die soooo gerne wollten, aber nicht richtig verstanden werden. 

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Kyon macht sich auf den Weg

Stell dir vor...

Du wachst auf. Eine vertraute Person hebt dich hoch. Sie küsst dir die Stirn, weint. Sie flüstert dir zu: "Du hast es geschafft. Jetzt wird alles gut". Sie zieht dir das erste Mal in deinem Leben ein Geschirr an und trägt dich raus. Sie geht mit dir in Richtung eines Transporters und setzt dich in eine Box, küsst dich ein letztes Mal und schließt dann die Tür. Gitter. Plötzlich ist nicht mehr das Geschirr das komische, sondern die Gitter und die komische Emotion, die deine Vertraute in sich trägt. Tränen... Wehmut und Glück. Du verstehst nichts, willst sie trösten.

Sie geht und du bekommst plötzlich fürchterliche Angst. Du kannst dich nicht viel bewegen, da kaum Platz ist hinter deinen Gitterstäben. Du kennst das nicht. Bisher konntest du immer frei laufen. Ohne Geschirr, ohne Gitter. Du riechst die Angst der anderen im Wagen und dann geht die Tür des Transportes zu. Deine Vertraute ist weg. Du kannst sie nicht sehen und riechen. Der Motor startet. Geräusche die du so noch nie kennengelernt hast. Du beginnst schneller zu atmen. Was passiert hier? Warum ist sie weg? Wo sind meine Geschwister? Wo sind meine Freunde? 

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